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| Prägestätten für Münzen der Grafen von Montfort https://www.numismatik-cafe.at/viewtopic.php?f=50&t=7955 |
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| Autor: | adam [ 21. Aug 2026, 04:50 ] | ||||
| Betreff des Beitrags: | Re: Prägestätten für Münzen der Grafen von Montfort | ||||
Eine gesicherte Prägestätte der Grafen von Montfort ist die Stadt Tettnang, eine heute rund 20000 Einwohner zählende Stadt in Baden Württemberg. Hier findet man das Neue Schloss Montfort, und hier verstarb der letzte männliche Montforter im Jahr 1787 als Privatmann. Kaiser Maximilian II. hat Graf Ulrich IX. (1564-1574) von Montfort im Zusammenhang mit dem Verkauf der Herrschaft Rothenfels das Recht eingeräumt in Tettnang zu prägen. Aus dieser Prägeperiode stammt das sehr seltene 3 Kreuzerstück 1570 Durchmesser: 21,5mm Gewicht: 1,97g Av: VDALRI:CO:IN.MONT:ET.ROT: Rv: MAX:Z.RO:IM.SEMP:AGVST:70 Referenz: Ebner 34, Rutishauser 256
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| Autor: | adam [ 26. Sep 2026, 08:05 ] | |||||
| Betreff des Beitrags: | Re: Prägestätten für Münzen der Grafen von Montfort | |||||
Die wichtigste Münzstätte der Grafen von Montfort war Langenargen am Bodensee. Der Münzhof, den man auch heutzutage besichtigen kann ist laut Wikipedia eines der ältesten Gebäude aus der montfortischen Zeit. Das erste Gebäude wurde 1632 im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Am 10. Juli 1733 wurde der im Jahr 1674 wieder aufgebaute Münzhof vom Blitz getroffen und brannte ab. 1763 wurde die Münzstätte endgültig geschlossen. In der Kipperzeit wurden hier mit Zustimmung der Montforter Grafen unter Zugabe von Kupfer, Zinn oder Blei minderwertige Taler und 12 Kreuzerstücke geprägt. Ab 1675 wurden der Montforter Münzstätte Münzen in großer Auflage geprägt, ab 1679 wurden alle Montforter Münzen im süddeutschen Raum für illegal erklärt und für ein Sechstel unter Nennwert aus dem Verkehr gezogen. Trotzdem war die Münzstätte bis 1763 mit nur wenigen Unterbrechungen in Betrieb. Die Grafen von Montfort ließen vor allem dann Münzen prägen, wenn die Absatzmöglichkeit außerhalb des eigenen Landes gut war, und das Prägen Profit versprach. Im Museum Langenargen, das in unmittelbarer Nähe des Münzhofes liegt, kann man Münzen der Grafen von Montfort bewundern. Drei Kleinmünzen dieser Münzstätte finden sich auch bei mir. Beste Sammlergrüße adam
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| Autor: | zwanzger [ 3. Okt 2026, 15:35 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Prägestätten für Münzen der Grafen von Montfort |
Hallo adam, zu deinem ersten Beitrag: adam hat geschrieben: Wer Urlaub im Bodenseeraum macht und geschichtliches Interesse mitbringt, kommt an den Grafen von Montfort nicht vorbei. Ich habe mich nun damit beschäftigt, wo dieses Adelsgeschlecht Münzen prägen ließ. Die erste Münze die ich vorstelle wird von Auktionshäusern und Münzhändlern gerne als Brakteat um 1240 beschrieben. Die weitere Zuordnung Münzstätte Altdorf und die Angabe Hugo von Montfort lässt sich meines Erachtens nicht eindeutig nachweisen und liegt etwas im mittelalterlichen Dunkel. In der Benediktinerabtei Weingarten gab es zwar von 1232-1242 einen Abt Hugo von Weingarten, ob dieser allerdings aus dem Haus der Grafen von Montfort stammt, scheint nicht gesichert zu sein. Auch der Prägeort scheint nicht gesichert. Es ist kein Münzrecht der Abtei Weingarten urkundlich erwähnt und auch eine Zuordnung zu Reichenau als Prägeort wurde früher in Betracht gezogen. Dazu habe ich folgendes in einer Auktionsbeschreibung vom "Auktionshaus Künker" (Fritz Rudolf Künker, Auction 130) gefunden: Diese Münze wurde oft St. Gallen oder Reichenau-Radolfszell zugeschrieben. Dies ist jedoch ausgeschlossen, da die Äbte dieser Klöster um 1235 das päpstliche Recht besaßen, eine Mitra zu tragen. Hier sehen wir hingegen einen Abt, dem dieses Recht 1235 nicht zustand. Zudem unterstand Weingarten der staufischen Hausvogtei, während andere Klöster reichsunmittelbar waren. Der Abt hält einen rechteckigen Reliquienschrein in den Händen. Auf einem ähnlichen Münztyp (CC: 118) ist der Vogt mit der Heilig-Blut-Reliquie dargestellt. Dies sind die beiden bedeutendsten Reliquien des Klosters auf dem Martinsberg. Die Verehrung des heiligen Martin ist älter als die der Heilig-Blut-Reliquie; dieses Rangverhältnis kehrte sich erst im Laufe des 13. Jahrhunderts um. Bemerkenswert ist, dass der Fund von Elchenreute den heiligen Martin nennt, während das „Lexikon des Mittelalters“ vom heiligen Oswald spricht. Die Münze wird auf die Zeit um 1235 datiert – jene Phase, in der Heinrich VII. gegen seinen Vater Friedrich II. aufbegehrte und abgesetzt wurde. Für seinen minderjährigen zweiten Sohn Konrad IV. musste ein Vormund bestellt werden; Nau schlägt hierfür Schenk Konrad von Winterstetten vor. Konrad von Winterstetten wird 1241 als Zeuge bei einem Gütertausch zwischen Abt und Kloster urkundlich erwähnt. Nau weist nach, dass in diesem Zeitraum ein gewisser Ulrich als Münzmeister in Altdorf tätig war. Altdorf erhielt erst 1865 den Namen Weingarten. Dateianhang: 6831421.m.jpg [ 40.95 KiB | 4358-mal betrachtet ] Dateianhang: 16365271.m.jpg [ 35.44 KiB | 4358-mal betrachtet ] Die Abbildungen zeigen CC:118 und CC:117 (Bilder ebenfalls Auktioshaus Künker) |
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| Autor: | adam [ 5. Okt 2026, 09:17 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Prägestätten für Münzen der Grafen von Montfort |
Servus zwanzger, danke für deine Ausführungen. Die fehlende Mitra und die für Weingarten typischen Reliquien des Klosters machen die Münzstätte Altdorf plausibel. Dass es in den Archiven einen Münzmeister Ulrich gibt, der hier tätig war ist mir auch neu. Freue mich über diese neuen erhellenden Erkenntnisse. Beste Grüße adam |
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