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| Autor: | zwanzger [ 2. Jul 2026, 15:58 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Habsburger als Kleriker |
Servus adam, Karl von Österreich wurde am 7. August 1590 in Graz als Sohn Erzherzog Karls von der Steiermark und der Herzogin Maria von Bayern geboren. Seine Brüder waren Ferdinand (als Kaiser Ferdinand II.), Erzherzog Maximilian Ernst, und Erzherzog Leopold (als Leopold V. Regent von Tirol und den Vorlanden). Mit 18 Jahren erfolgte 1608 seine Ernennung zum Bischof von Breslau. Auf Empfehlung von Kaiser Matthias wurde er 1613 vom Brixner Domkapitel zum Bischof postuliert. Dieses Ziel hatte Erherzog Karl sicherlich angestrebt, um Sitz und Stimme im Reichstag zu erlangen, da Brixen deutsches Reichsfürstentum war. Nach dem Tod von Ehg. Maximillian III. 1618, wurde er als sein Nachfolger zum Hochmeister des Deutschen Ordens ernannt. Bemerkenswert ist, dass Erzherzog Karl drei Bischofstitel führte, er wurde 1621 zum Chorbischof von Köln erwählt, obwohl er weder die Priester- noch die Bischofsweihe je empfangen hatte. Den Höhepunkt seiner ehrgeizigen Pläne bildete seine Berufung zum Vizekönig von Portugal. Er starb aber schon auf der Reise dorthin in Madrid, am 28. Dezember 1624, im Alter von 34 Jahren. Erzherzog Karl von Österreich, Bischof von Brixen und Breslau, hat sich nur vorübergehend in Brixen aufgehalten (flüchtete zu Beginn des dreißigjährigen Krieges zuerst nach Polen, und anschließend nach Brixen, kehrte aber nach der Schlacht am Weissen Berge wieder nach Neisse zurück). Das Bistum Brixen selbst wurde durch Administratoren regiert. Allerdings beginnt mit Ihm ein neuer Abschnitt in der Münzgeschichte Breslaus. Die Vorschriften des Privilegs von 1515 (Münzprivileg Kaiser Maximilian I.) wurden nicht mehr beachtet und neben Goldmünzen erstmals auch Silbergeld mit dem Brustbild und dem Wappen des Fürstbischofs geprägt. Um Silbermünzen mit Porträt prägen zu können, und somit die Beschränkungen des Privilegs von 1515 zu umgehen, hat sich Karl wohl das Brixner Münzrecht zur Grundlage gemacht, das ihm mit dem Titel eines Fürstbischofs von Brixen gewissermaßen das Münzrecht zugefallen war und das daraufhin in Schlesien (Neisse) umgesetzt wurde. Es gibt neben den von Dir erwähnten Groschen auch Halbtaler, Taler, Doppeltaler und Dukaten (als vielfache bis zum 10 Dukatenstück), und Kippermünzen. Umlauffähig waren diese Münzen (bis auf die Kippermünzen) allemal, allerdings wird sich die Verbreitung außerhalb Schlesiens und Böhmens, wohl in Grenzen gehalten haben. Ob sich einige dieser Groschen auch nach Brixen verirrt haben, ist nicht auszuschließen, dürfte allerdings eher die Ausnahme gewesen sein. |
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| Autor: | adam [ 6. Jul 2026, 10:21 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Habsburger als Kleriker |
Servus zwanzger, liebe Kleinmünzenfreunde, danke für deine Antwort und deine Ausführungen zum Thema. Umlauffähig, ja das waren die Groschen in Brixen sicher. Aber es scheint auch nicht wie bei den Kupferkreuzern von Maria Theresia gewesen zu sein, die 1779 in Günzburg geprägt wurden und danach ins Innviertel transportiert, um dort den Kleingeldmangel zu beheben. Wie du richtig berichtest, war Karl auch nur wenige Monate in seinem kurzen, 34 jährigem Leben in Brixen anwesend. Ein nachweisbarer Aufenthalt des Bischofs ist von November 1614 bis Mai 1615 belegt. Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass dabei auch Münzen, die er in Neisse prägen lies, mit ihm mitgereist sind. Ich habe mich daher auf die Suche nach einem frühen Groschen aus dem Prägejahr 1614 gemacht. Sehr groß scheinen auch die Prägezahlen nicht gewesen zu sein. Ich habe nur ein Angebot gesehen, und dieses war aus Trient, eine Stadt etwas südlich von Brixen gelegen. Artikelbeschreibung des Verkäufers : Bressanone (Brixen). 3 Kreuzer 1614. Carlo D`Austria "il Postumo" Ob der Groschen natürlich schon seit Anfang des 17. Jahrhunderts in der Nähe von Brixen zu finden ist, kann nur als Spekulation und Vermutung bezeichnet werden. Ein Hinweis in Archiven über die Mitnahme von Münzen aus Schlesien nach Südtirol ist mir nicht bekannt. Ebensowenig Funde in Tirol, die Münzen von Karl von Österreich beinhaltet hätten. Der Groschen ist derzeit auf dem Postweg zu mir. Literatur zum Thema ebenso. Beste Grüße adam |
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| Autor: | adam [ 9. Jul 2026, 17:11 ] | |||
| Betreff des Beitrags: | Re: Habsburger als Kleriker | |||
Heute ist der früheste "Brixner Groschen" aus dem Trentino bei mir eingetroffen. 3 Kreuzer 1614 Referenz: Gummerer 69 Gewicht: 1,41g Durchmesser: 21mm Avers: CAR.D:G.ARC.(3).D.AVSTRI. Revers: EPVS.BRIX.ET.WRA.Mmz.16.14. Prägestätte: Neisse Münzmeister: Valentin Janus
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| Autor: | adam [ 10. Jul 2026, 15:20 ] | |||
| Betreff des Beitrags: | Re: Habsburger als Kleriker | |||
Heute kam Post aus Graz. Der Jahrgang 1615 stammt aus einer alten steiermärkischen Münzsammlung. 3 Kreuzer 1615 Referenz: Gummerer 71 Gewicht: 1,84g Durchmesser: 21mm Avers: CAR.D:G.ARC(3)DAVSTRI. Revers:EPVS.BRIX.ET.WRA.Mmz.16.15. Münzstätte: Neisse Münzmeister: Valentin Janus
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| Autor: | zwanzger [ 26. Jul 2026, 14:32 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Habsburger als Kleriker |
Servus adam, kürzlich konnte ich mich wieder einmal mit einem lieben Sammlerfreund austauschen. Dabei kamen wir unter anderem auch auf die Prägungen der Fürstbischöfe von Brixen zu sprechen. Dabei zeigte er mir einige Stücke aus seiner Sammlung zu diesem Thema. Da fand sich in seinem Schatzkästchen unter anderem auch ein richtiges "Schmankerl“, nämlich diese wohl höchst seltene Klippe eines Groschens von 1614, die ich hier vorstellen darf. Dateianhang: Dateianhang: Brixen, Klippe 3 Kreuzer 1614 Av. Umschrift: CAR.D:G.ARC (3) .D.AVSTR. Rev. Umschrift: EPVS.BRIX.ET.WRA (Mzm. Janus) 1614 Münzstätte: Neisse, Münzmeister: Valentin Janus , Referenz --- Vielleicht ergeben sich durch die Vorstellung weitere Aspekte zu dieser Rarität. Gewicht und Abmessungen muss ich leider momentan noch schuldig bleiben (werde mich mit meinen Sammlerfreund jedoch nochmals in Verbindung setzen, um auch das noch zu eruieren.) |
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| Autor: | adam [ 5. Aug 2026, 09:35 ] | ||
| Betreff des Beitrags: | Re: Habsburger als Kleriker | ||
Geschätzter zwanzger, dein präsentiertes "Schmankerl" eines Sammlerfreundes ist für mich Neuland, und eine kleine numismatische Sensation. In der mir zugänglichen Literatur ist nichts darüber zu erfahren. Bei Peter Gummerer finden sich Klippen vom Taler und vom Halbtaler, die als Geschenkswerte dienten und nicht zum normalen Zahlungsverkehr. Eine Klippe vom 3 Kreuzerstück wurde bei ihm nicht beschrieben. Was zusätzlich noch verwundert ist, dass bei der Klippe Prägejahr 1614 ein Stempel verwendet wurde, der bei Gummerer nicht beschrieben wurde. 3 Kreuzer 1614 Gummerer 69 Avers: CAR.D:G.ARC.(3).D.AVSTRI 3 Kreuzer 1614 Gummerer 70 Avers: CAR.D:G.AR(3).D.AVSTR. 3 Kreuzerklippe 1614 ??? Avers: CAR.D:G.ARC(3).D.AVSTR. Beste Grüße adam
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| Autor: | zwanzger [ 13. Aug 2026, 13:55 ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Habsburger als Kleriker |
Servus adam, adam hat geschrieben: Eine Klippe vom 3 Kreuzerstück wurde bei ihm nicht beschrieben. Nun, das bei Gummerer weder diese Klippe, noch der Stempel (ev. Stempelkopplung) nicht aufscheint, ist nicht unbedingt verwunderlich, Sie war Ihm bei Herausgabe seines Werkes 1982 einfach nicht bekannt. Es gibt, wie Du sicher weißt, eine weitere Abhandlung zu den Brixner Münzen von Gilbert Durst (Tausend Jahre Brixner Raritäten – Corpus Nummorum Brixiensum 1981). Ob sich da andere Erkenntnisse auftun, kann ich nicht sagen, da ich dieses Buch noch nicht kenne. Zu Gummerer muß man sagen, das seine Abhandlung bezüglich der mittelalterlichen Prägungen des Bistums Brixen (der echten Prägungen Brixens) komplett überholt sind. Hier muß man allen Interessierten das Werk von Helmut Rizzolli und Armin Torggler (Die Münzstätte Brixen und Innsbruck im Augsburger Währungsraum) empfehlen. Kann man übrigens kostenfrei im Internet herunterladen. |
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