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Habsburger als Kleriker
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Autor:  adam [ 29. Jun 2026, 09:40 ]
Betreff des Beitrags:  Habsburger als Kleriker

Karl von Österreich (1590-1624)

Bruder von Kaiser Ferdinand II. (1619-1637), war ab 1608 Fürstbischof von Breslau und ab 1613 Bischof von Brixen, sowie Hochmeister des Deutschen Ordens.
Er wird auch als Karl der Posthume bezeichnet, da er erst zwei Monaten nach dem Tod seines Vaters, Erzherzog Karl II., aus der steirischen Linie der Habsburger geboren wurde. Seine Mutter war Maria von Bayern.
Karl war das 15. Kind aus dieser Ehe. Schon im Kindesalter wurde er für den kirchlichen Stand bestimmt.

Immer wieder findet man Münzen dieses Habsburgers. Karl veranlasste mehr Prägungen, als andere Bischöfe. Als Hochmeister des Deutschen Ordens, lies er Taler in Nürnberg prägen.
Mich interessieren vor allem seine Groschenprägungen. Es gibt 3 Kreuzerstücke, die auf der Rückseite 3 Wappen tragen: Österreich, Breslau und Brixen.
Die Umschrift lautet: Bischof von Brixen und Breslau. Diese Groschen, geprägt von 1614 bis 1622 sind immer wieder unter Brixen zu finden.
Meines Wissens wurden sie allesamt in Neisse geprägt. Mich würde interessieren, ob solche Groschen in Brixen überhaupt jemals in größerem Umfang in Umlauf waren. Wer weiß mehr zu diesem Thema?
Stelle einen Jahrgang 1616 vor.

Groschen 1616 Referenz: Brixen I #72
Gewicht:1,31g
Durchmesser: 20mm

Beschriftung Avers: CAR.D:G.ARC(3).DAVSTRI.
Ungekürzte Legende: Carolus Dei Gratia Archidux Austriae

Beschriftung Revers:EPVS BRIX.ET.WRA.Mmz.1616
Ungekürzte Legende: Episcopus Brixensis et Wratislavensis

Prägestätte: Schlesien/Neisse
Münzmeister: Valentin Janus (Zwei gekreuzte Schmiedehaken mit einem Stern oben und einem unten)

Dateianhänge:
Groschen 1616 Av..jpg
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Groschen 1616 Rv..jpg
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Autor:  zwanzger [ 2. Jul 2026, 15:58 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Habsburger als Kleriker

Servus adam,

Karl von Österreich wurde am 7. August 1590 in Graz als Sohn Erzherzog Karls von der Steiermark und der Herzogin Maria von Bayern geboren.

Seine Brüder waren Ferdinand (als Kaiser Ferdinand II.), Erzherzog Maximilian Ernst, und Erzherzog Leopold (als Leopold V. Regent von Tirol und den Vorlanden).

Mit 18 Jahren erfolgte 1608 seine Ernennung zum Bischof von Breslau.

Auf Empfehlung von Kaiser Matthias wurde er 1613 vom Brixner Domkapitel zum Bischof postuliert. Dieses Ziel hatte Erherzog Karl sicherlich angestrebt, um Sitz und Stimme im Reichstag zu erlangen, da Brixen deutsches Reichsfürstentum war.

Nach dem Tod von Ehg. Maximillian III. 1618, wurde er als sein Nachfolger zum Hochmeister des Deutschen Ordens ernannt.

Bemerkenswert ist, dass Erzherzog Karl drei Bischofstitel führte, er wurde 1621 zum Chorbischof von Köln erwählt, obwohl er weder die Priester- noch die Bischofsweihe je empfangen hatte. Den Höhepunkt seiner ehrgeizigen Pläne bildete seine Berufung zum Vizekönig von Portugal.
Er starb aber schon auf der Reise dorthin in Madrid, am 28. Dezember 1624, im Alter von 34 Jahren.

Erzherzog Karl von Österreich, Bischof von Brixen und Breslau, hat sich nur vorübergehend in Brixen aufgehalten (flüchtete zu Beginn des dreißigjährigen Krieges zuerst nach Polen, und anschließend nach Brixen, kehrte aber nach der Schlacht am Weissen Berge wieder nach Neisse zurück). Das Bistum Brixen selbst wurde durch Administratoren regiert.

Allerdings beginnt mit Ihm ein neuer Abschnitt in der Münzgeschichte Breslaus. Die Vorschriften des Privilegs von 1515 (Münzprivileg Kaiser Maximilian I.) wurden nicht mehr beachtet und neben Goldmünzen erstmals auch Silbergeld mit dem Brustbild und dem Wappen des Fürstbischofs geprägt. Um Silbermünzen mit Porträt prägen zu können, und somit die Beschränkungen des Privilegs von 1515 zu umgehen, hat sich Karl wohl das Brixner Münzrecht zur Grundlage gemacht, das ihm mit dem Titel eines Fürstbischofs von Brixen gewissermaßen das Münzrecht zugefallen war und das daraufhin in Schlesien (Neisse) umgesetzt wurde.

Es gibt neben den von Dir erwähnten Groschen auch Halbtaler, Taler, Doppeltaler und Dukaten (als vielfache bis zum 10 Dukatenstück), und Kippermünzen.

Umlauffähig waren diese Münzen (bis auf die Kippermünzen) allemal, allerdings wird sich die Verbreitung außerhalb Schlesiens und Böhmens, wohl in Grenzen gehalten haben.

Ob sich einige dieser Groschen auch nach Brixen verirrt haben, ist nicht auszuschließen, dürfte allerdings eher die Ausnahme gewesen sein.

Autor:  adam [ 6. Jul 2026, 10:21 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Habsburger als Kleriker

Servus zwanzger, liebe Kleinmünzenfreunde,

danke für deine Antwort und deine Ausführungen zum Thema. Umlauffähig, ja das waren die Groschen in Brixen sicher. Aber es scheint auch nicht wie bei den Kupferkreuzern von Maria Theresia gewesen zu sein, die 1779 in Günzburg geprägt wurden und danach ins Innviertel transportiert, um dort den Kleingeldmangel zu beheben.

Wie du richtig berichtest, war Karl auch nur wenige Monate in seinem kurzen, 34 jährigem Leben in Brixen anwesend. Ein nachweisbarer Aufenthalt des Bischofs ist von November 1614 bis Mai 1615 belegt.
Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass dabei auch Münzen, die er in Neisse prägen lies, mit ihm mitgereist sind.
Ich habe mich daher auf die Suche nach einem frühen Groschen aus dem Prägejahr 1614 gemacht. Sehr groß scheinen auch die Prägezahlen nicht gewesen zu sein. Ich habe nur ein Angebot gesehen, und dieses war aus Trient, eine Stadt etwas südlich von Brixen gelegen.

Artikelbeschreibung des Verkäufers : Bressanone (Brixen). 3 Kreuzer 1614. Carlo D`Austria "il Postumo"

Ob der Groschen natürlich schon seit Anfang des 17. Jahrhunderts in der Nähe von Brixen zu finden ist, kann nur als Spekulation und Vermutung bezeichnet werden. Ein Hinweis in Archiven über die Mitnahme von Münzen aus Schlesien nach Südtirol ist mir nicht bekannt. Ebensowenig Funde in Tirol, die Münzen von Karl von Österreich beinhaltet hätten.

Der Groschen ist derzeit auf dem Postweg zu mir. Literatur zum Thema ebenso.

Beste Grüße
adam

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