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Münze Günzburg:
In Günzburg gab es gleich zwei Prägestätten. Eine im alten Schloß (das heutige Rathaus) und eine außerhalb der Stadtmauern an der Günz. Im Schloß wurden die Silbermünzen geprägt, und außerhalb die Kupfermünzen.
In Günzburg wurden ab 1764 Münzen nach dem Conventionsfuß (20 Gulden-Fuss) ausgebracht.
Ab 1772 aber auch Scheidemünzen nach dem Süddeutschen-(Rheinischen) 24-Talerfuß. Dieser war in den benachbarten Regionen (Bayern,Schwaben, Württenberg usw.) üblich.
Obwohl sich die meisten Regionen der Münzconvention von 1753 mit der Zeit anschlossen, wurde der Conventionstaler in die lokale (Klein)Währung umgerechnet. 24-Guldenfuß: 1Taler CM = 144 Kreuzer (Bayern und Süddeutschland) 20-Guldenfuß: 1 Taler CM = 120 Kreuzer (Österreich Erblande)
Diese beiden Prägungen sind zu unterscheiden:
An Conventinsmünzen wurden Taler, 20 Kreuzer, 10 Kreuzer und 5 Kreuzerstücke ausgebracht.
An Münzen nach dem 24-Guldenfuß wurden Scheidemünzen, und zwar 1/8 Kopfstücke oder auch 1/48 Taler (2,5 Kreuzer CM) aus Billon, sowie Kupfermünzen zu 1, ½, ¼ Kreuzer und Pfennige ausgemünzt.
Hier war in den Jahren 1772 und 1773 im Zuge der sogenannten „Münzverbesserung“ im Schwäbischen Reichskreis ein derart enormer Bedarf an diesen Scheidemünzen vorhanden, dass zusätzlich zu Günzburg auch noch die Münzstätten Wien, Hall und Kremnitz aushelfen mußten. Diese wurden allesamt mit dem Buchstaben G (!) ausgebracht. Hall prägte im Zeitraum 1772 und 1773 ca. 2,6 Millionen 1/8 Kopfstücke, und 2,2 Millionen Kupferkreuzer.
Diese Kupferkreuzer und Teilstücke waren demnach natürlich weniger wert, als die in den Erblanden umlaufenden. Daher auch der Gewichtsunterschied. 1 Kreuzer erbländisch hatte bis 1779 ein Gewicht von 11,38 Gramm bei einem Durchmesser von ca. 26 mm. 1 Kreuzer vorderösterr. wog hingegen 7,77 Gramm bei einem Durchmesser von 23 mm. Auch vom Münzbild her waren diese Vorderösterreichischen Prägungen gänzlich anders, als die in den Erblanden umlaufenden. Anstatt des Herrscherportaits zeigen sie den geteilten Wappenschild von Österreich-Burgau . Auch die Wertseite war unterschiedlich, wie man auf den Bildern von adam sieht.
Nun kommen wir zu dem Kreuzer 1779 G. Dieser wurde, wie bereits bekannt, für das 1779 zu Österreich gekommene Innviertel geprägt, und zwar eben mit dem Münzbild und Münzgewicht, wie in den Erblanden üblich. Alle 1,2 Millionen Stück wurden auch nach Oberösterreich verbracht, da sie ja für den dortigen Gebrauch gedacht waren (diese Münze war nie als Zahlungsmittel in Vorderösterreich vorgesehen!!!). Zudem lassen sich diese Kreuzer von den Grazer Prägungen relativ leicht unterscheiden. Die Grazer Kreuzer zeigen das Bildnis Maria Theresias ohne Witwenschleier (weil vor 1765 geprägt), und der Günzburger Kreuzer 1779 eben mit Witwenschleier.
Warum der Auftrag an die Münze Günzburg vergeben wurde, mag wohl mit den Transportwegen zusammenhängen, ich denke aber es liegt eher daran, dass die Kupferausmünzung in Günzburg 1779 so gering war, dass man die brachliegenden Ressourcen nutzen wollte. Zudem hätte der Transport von ca. 14 Tonnen Kupfer wohl auch damals kein Problem dargestellt. Da 1780 das Münzgewicht für Kupferscheidemünzen in den Erblanden verringert wurde, folgten auch keine weiteren Prägungen mehr. Zu den Münzstättenzeichen:
Die Conventionsmünzen mit dem Bild Maria-Theresias zeigen entweder das Wappen von Burgau und/oder den Buchstaben G. Die Conventionsmünzen mit dem Bild Joseph II. tragen den Münzbuchstaben H.
Die vorderösterr. Scheidemünzen bis 1779 weisen alle den Buchstaben G auf.
Und auch der hier besprochene Kupferkreuzer trägt das G als Kennung.
An Münzmeisterzeichen sind zu nennen:
S-C für den Münzmeister Tobias Schöbl und den Wardein Hubert Josef von Clotz (ab 1774 Münzmeister in Hall) S-F für den Münzmeister Tobias Schöbl und den Wardein Josef Faby
_________________ Beste Grüße, zwanzger
Quaere et invenies
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