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BeitragVerfasst: 20. Aug 2009, 19:02 
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Hofrat
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Münzfunde von der Römerbrücke über die Mosel in Trier

Seit Jahren tauchen in diversen Auktionen immer wieder „Münzfunde aus der Mosel in Trier“ auf. Eine dieser Auktionen enthielt folgende Beschreibung: "Es handelt sich hierbei um einen authentischen Altfund von der legendären Fundstelle der Trierer Römerbrücke mit der typischen „Moselpatina“. Bei durch Schleusenarbeiten herbeigeführtem Tiefstand der Mosel standen in den 70er Jahren jung und alt, Mann und Frau im knietiefen Wasser und förderten mit Sieben große Mengen von Münzen zutage, die in alter Zeit von ihren Vorfahren hier dem Flussgott geopfert wurden.“

Dies führte in einem anderen Forum zu kontroversen Diskussionen. Insbesondere wurden damals, soweit ich mich erinnern kann, nicht nur die Tatsache selbst, mit Verweis auf die Menge von barbarisierten Exemplaren in diesen Lots, angezweifelt, sondern sogar die Möglichkeit von "Flussopfern" selbst verworfen. Anlässlich meines letzten Besuches in Trier, habe ich deshalb versucht im Rheinischen Landesmuseum Beweise für die „These von den Flussopfern“ zu finden und bin auch fündig geworden.

Die Ausführungen des Landesmuseums zu den Moselfunden sprechen davon, dass bei Absenkungen des Wasserspiegels der Mosel seit Jahrzehnten im Umfeld der Trierer Römerbrücke immer wieder zahlreiche Funde zutage gefördert werden. Es soll sich um bis zu einer Million im Flussbett verstreuter Münzen handeln, die als Zeichen für einen in der Antike verbreiteten Brauch gewertet werden: Vermutlich sollte durch ein Flussopfer beim Verlassen der Stadt auf eine glückliche Rückkehr hingewirkt werden.
Darüber hinaus gelangten aber auch andere Gegenstände aller Art in den Fluss. So dürften auch mehrere tausend Bleiplomben (s. Thread „Römische Münzberufe 1“) unweit der Römerbrücke eher zufällig ins Wasser gefallen sein. Bleiplomben dienten zum Versiegeln von Beuteln oder Behältern und lassen in dieser hohen Zahl auf eine florierende Verladestelle an diesem Ort schließen.
So manches Objekt wurde aber vermutlich auch dem Fluss anvertraut, um Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen. Dazu dürfte etwa ein Münzstempel des Magnentius (s. Thread „Römische Münzberufe 2“) zählen, der offensichtlich unmittelbar vor der Rückeroberung der Stadt durch Constantius II. in der Mosel entsorgt wurde.

Nach den bisher vorliegenden Münzen setzte dieser Brauch schon zu augusteischer Zeit ein und fand in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts seinen Höhepunkt.

Grüße IVSTVS


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Münzfunde aus der Mosel (Rheinisches Landesmuseum Trier).JPG
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Römerbrücke 2009.JPG
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IVSTVS
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BeitragVerfasst: 22. Aug 2009, 18:10 
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Professor
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Wohnort: Leipzig
vielen Dank für den Artikel. Ich hatte mich an anderer Stelle einmal recht kritisch über bestimmte Angebote (ebay) geäußert. Dies bezog sich jedoch nicht auf die Story schlechthin, sondern vielmehr auf einige ebay-Angebote, welche diese Geschichte zum Anlass nehmen um z.T. grottenschlechte Münzen bzw. den mehrfach aussortierten Mist aus diesen ungereinigten Lots aufzuwerten.


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BeitragVerfasst: 23. Aug 2009, 22:48 
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Magister

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Hallo Iustus,
Klasse Bericht und schöne Fotos. Ich war natürlich Mitte der 70er auch vor Ort. Bei den 50 oder 60 Stücken, die ich damals von dem Ausflug mitbrachte und die lange Jahre ungereinigt in einem Schüsselchen bei mir rumlagen, war dieses Teilstück des Constantin I. dabei. Erst als ich es vor einigen Jahren reinigte, sah ich, daß sich der Ausflug doch gelohnt hatte.
Av.: Büste des Constantin I., IMP.CONSTANTINUS AUG.
Rv.: Lorbeerkranz, darin : VOT. XX MULT. XXX, Gew.: 1,49g, Durchmesser 1,3cm.
Herzliche Grüße vom imperator44.


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BeitragVerfasst: 26. Aug 2009, 12:25 
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Hofrat
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Registriert: 2. Jun 2009, 20:03
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Wohnort: Augusta Treverorum
Hallo imperator44,

selten schönes Exemplar, wirklich! Würde hervorragend in meine Sammlung passen! Allerdings konnte ich trotz intensiver Suche keine passende Referenz dafür finden. Sollte aber kein Mangel sein!

Grüße IVSTVS

P.S. Hast du mal im Hinterzimmer unter "Essen und Trinken" nachgeschaut. Da steht was über meinen letzten Besuch in München beim Wildmoser drin.

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BeitragVerfasst: 26. Aug 2009, 20:13 
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Hofrat
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Registriert: 29. Mai 2009, 06:44
Beiträge: 766
Wohnort: Unterfranken
"Selten" sollte bei dem schönen Follis auch stimmen.

Gefunden habe ich bei catbikes/coin-stuff folgendes:
mit Vs-Legende IMP CONSTANTINVS PF AVG und ohne Prägestätte auf der Rs wäre es RIC VII 52 und damit R5 (1966 - unique). Die Vs-Legende Deines Follis ist aber ohne "PF". Vielleicht hat jemand neuere Literatur und damit bessere Infos?

Lieber Gruß
Franz


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BeitragVerfasst: 27. Aug 2009, 09:17 
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Magister

Registriert: 23. Jun 2009, 22:36
Beiträge: 90
Hallo Justus und Oktavenspringer,
das ist eigentlich kein Follis. Es wird als Teilstück bezeichnet und ist in dem Sinn keine Münze, sondern ein Mini-Medaillon, das bei besonderen Anlässen unters Volk gestreut wurde. Die Literatur dazu wäre: C.-F. Zschucke, "Die Teilsückprägungen der römischen Münzstätte Trier", S. 81 und 83, Nr.14/23a.
Grüße vom imperator44.


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