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 Betreff des Beitrags: Subferrate
BeitragVerfasst: 25. Jul 2009, 13:42 
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Da ich glaube, es dürfte zu den Subferraten noch viele offene Fragen geben, möchte ich näher auf dieses Thema eingehen.

Der Grund für deren Produktion war der Mangel an Kleingeld in den Provinzen.
Besonders stark war dieser Mangel um die Wende vom 2. zum 3. Jh.n.Chr.
Im mittleren Donauraum waren sowohl Sesterzen, als auch Asse und Dupontien auf subferrater Basis im Umlauf.

So wie die Gussmünzen waren auch die Subferrate von offizieller Seite toleriert.

Vom Fundanteil her, dürften diese subferraten Prägungen besonders im Raum von Carnuntum und Enns im Umlauf gewesen sein.

Von diesen Subferraten, das sind Eisenmünzen mit einem Überzug aus dünnem Buntmetall, gibt es häufig Belege die darauf hinweisen, dass die Stempel von ansässigen Handwerkern frei geschnitten wurden.
Einige wenige Exemplare sind jedoch stilistisch so gelungen, als wären sie mit offiziellen Stempeln geprägt.
Das ist wohl auszuschließen und es lässt sich seit einigen Jahren ein antikes mechanisches Kopierverfahren nachweisen.

In einem Experiment im Kunsthistorischen Museum hat man Eisenschrötlinge geglüht und mit mehrmaligem Zwischenglühen auf die richtige Stärke gehämmert.
Danach wurden die Eisenschrötlinge mit einer Mischung aus Messingfeilspänen,
Borax und Wasser überzogen und dieses Gemisch wurde zum Schmelzen gebracht.
Das Ergebnis war ein dünner Überzug aus Buntmetall auf einem Eisenkern.

Ein weiterer Teil wurde in der Antike wohl auch mit einem dünnen Blech aus Buntmetall überzogen.Das führte zwar zu einer großeren Blechstärke,war aber sicher jene Variante, für die weitaus mehr Zeitaufwand benötigte.

Der Stempel bestand bei dem Versuch aus einem stabförmigen Standardstahl
mit einem Durchmsser von 25mm und einer Höhe von ebenfalls 25mm.
Dieser Stempelrohling wurde sehr hell geglüht, auf den Avers eines Dupontius
von Hadrian aufgelegt und mit einem schweren Hammer daraufgeschlagen.

Auf diese Art wurden von dieser Münze 5 Stempel abgenommen.

Die verkupferten Schrötlinge wurden schwach geglüht und beprägt.
Das Endprodukt waren geprägte Münzen, die in der Qualität der Prägung durchaus beachtenswert waren.

Aus einem dieser Stempel konnte auf diese Art eine größere Anzahl von Münzen hergestellt werden.
Mittlerweile wurde auch nachgewiesen, dass die Eisenstempel nach deren Abnutzung auch nachgeschnitten wurden.
Auf einigen Subferraten ist das heute noch besonders an den linearen Gewandfalten
der Reversdarstellungen gut erkennbar.
Dieses Experiment beweist auch, dass man mit geringen Aufwand und der nötigen metallurgischen Kenntnis schon in der Antike zu einem ansprechenden Egebnis kommen konnte.

Den kompletten Aufsatz zu diesem Thema findet ihr in:

M. Pfisterer und R. Traum, Ein Experiment zur römischen Falschmünzertechnik
Technologische Studien 2/2005, KHM, Wien, S 72-85

Hier ein kurzer Auszug:
http://www.khm.at/kunsthistorisches-mus ... ertechnik/

Ich werde in den nächsten Tagen einige Beispiele aus meiner Sammlung vorstellen.

Viele Grüße
Harald

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 Betreff des Beitrags: Re: Subferrate
BeitragVerfasst: 25. Jul 2009, 19:14 
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Lieber Harald !
Ein hochinteressanter Artikel, danke dafür und daß das KHM selbst Versuche durchgeführt hat, das hab ich nicht gewußt :o


Zu diesem Artikel paßt mein einziger Subferrater, der unter Marcus Aurelius erzeugt wurde

Dateianhang:
MarcAurel-Subferrat.jpg
MarcAurel-Subferrat.jpg [ 108.7 KiB | 3797-mal betrachtet ]

Liebe Grüße
Gerhard

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 Betreff des Beitrags: Re: Subferrate
BeitragVerfasst: 25. Jul 2009, 19:50 
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Hofrat
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harald hat geschrieben:
So wie die Gussmünzen waren auch die Subferrate von offizieller Seite toleriert.

Hallo Harald,

sehr interessanter Beitrag zu den "Subferraten"! Allerdings mußte ich ihn mir erst mehrmals durchlesen, um den äußerst komplizierten Herstellungsvorgang zu verstehen. Dazu noch einige Fragen. Warum kommen "Subferrate" denn eigentlich im Raum Carnuntum häufiger vor, als anderswo? Weshalb wurde das doch schwerer zu bearbeitende Material Eisen überhaupt verwendet?

Grüße Jürgen

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 Betreff des Beitrags: Re: Subferrate
BeitragVerfasst: 25. Jul 2009, 20:51 
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Hofrat
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weshalb es verwendet wurde kann ich mir erklären - es war billiger als AE!
was ich mir allerdings nicht erklären kann, ist die mühe die sie sich gemacht haben sollten mit der kupferfolie, oder der kupferauflage.
denn wenn die subferraten auch nur notgeld gewesen sein sollen, dann hätten es simple eisensesterzen auch getan.
logische schlussfolgerung: subferrate sind mitnichten notgeld wie die limes-falsa, sondern schlicht falschgeld, wie die subaeraten denare!
grüsse
frank


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 Betreff des Beitrags: Re: Subferrate
BeitragVerfasst: 25. Jul 2009, 21:49 
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Hofrat
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Hallo Frank,

du weißt sicher, was ich jetzt sagen will, aber nicht sage! :lol: Irgendwann sollten wir das mit dem "Notgeld oder Falschgeld" mal an Hand entsprechender Literaturnachweise klären. Vielleicht finde ich ja endlich mal Zeit, 'nen paar Stunden in der historischen Bibliothek vorbeizuschauen.

Grüße Jürgen ;) ;) ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Subferrate
BeitragVerfasst: 26. Jul 2009, 10:23 
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Hallo Justus, Hallo beachcomber!

Die Frage nach dem Grund des häufigen Vorkommens in Carnuntum läßt sich leider nicht mit absoluter Sicherheit beantworten.
Nach neuesten Grabungsergebnissen kommen frühe Subferrate in Virunum auch nicht mal so selten vor.
Vielleicht ist die große Kenntnis der Eisenbearbeitung in diesem Gebiet der Grund für deren Entstehung und sie haben sich dann entlang der Donau verbreitet.

Deine Frage nach dem Grund hat beachcomber schon richtig beantwortet- Materialersparnis.

Zur Frage von beachcomber nach dem Grund des aufwändigen Verfahren des Buntmetallüberzuges würde mit einer größeren und längeren Haltbarkeit,
beziehungsweise geringeren Korrosionsanfälligkeit beantworten.
Gerade das Ziel der längeren Haltbarkeit wäre ein weiteres Indiz, dass es sich um offizielles Notgeld handelte.

Unter den Numismatikern herrscht die einhellige Meinung, dass es sich hier um keine Fälschungen, sondern um Notgeld handelt.

Nochmal ein Auszug aus dem Aufsatz von Pfisterer:
Um die Wende vom 2. zum 3. Jahrhundert kam die zentrale Münzstätte in Rom nicht mehr mit der Kleingeldproduktion nach und am Rande des riesigen Reiches führte das dazu, dass etwa die Soldaten Schwierigkeiten bekamen, ihren in Silber ausgezahlten Sold "aufzulösen".
Als Reaktion entstanden große Mengen von Kleingeldkopien und das in einem Umfang der ohne eine Tolerierung von offizieller Seite nicht denkbar ist.

Die gleiche Meinung vertreten auch andere Numismatiker.
Hier ein Auszug ihrer Arbeiten zu diesem Thema:

M. Peter, Imitation und Fälschung in römischer Zeit, in A. F. Auberson- S. Frey- Kupper

Faux- contrefacons- imitations. Actes du quatrieme colloque international du Groupe suisse pour l´etude des trouvailles monetaires ( Martigny, 2 mars 2002) (Etudes de numismatique et d´histoire monetaire 55), Lausanne 2004, 19-30

M. Pfisterer, Antike Kleingeldimitationen in Virunum, in: R. Jernej- C. Gugl, Virunum.

G. Dembski, Römisches Notgeld in Norikum und pannonien, in: Rivista Italiana di Numismatica e scienze affini (RIN) 95, 453-460

G. C. Boon, Counterfeit Coins in Roman Britain, in: J. Casey- R. Reece

Coin finds and coin use in the roman world, the 13. Oxford Symposium on coinage and monetary history, 1993

Grüße
Harald

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 Betreff des Beitrags: Re: Subferrate
BeitragVerfasst: 26. Jul 2009, 12:56 
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Hofrat
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Zitat:
Zur Frage von beachcomber nach dem Grund des aufwändigen Verfahren des Buntmetallüberzuges würde mit einer größeren und längeren Haltbarkeit,
beziehungsweise geringeren Korrosionsanfälligkeit beantworten.
Gerade das Ziel der längeren Haltbarkeit wäre ein weiteres Indiz, dass es sich um offizielles Notgeld handelte.


Zitat:
Als Reaktion entstanden große Mengen von Kleingeldkopien und das in einem Umfang der ohne eine Tolerierung von offizieller Seite nicht denkbar ist.


hallo harald,
ich gebe zu ich habe kein einziges dieser werke gelesen :)
aber - die argumente die du hier zitierst, halte ich nicht für ausreichend!
längere haltbarkeit und geringere korrosionsanfälligkeit als argument halte ich schlicht für quatsch! warum zum teufel, sollte eine sich im UMLAUF befindende eisenmünze korrodieren? hatten die leute wasser in den taschen? :)
der grund ist für mich der gleiche wie bei denar-fälschugen, seien sie subaearat oder aus weissmetall: sie sollten den leuten etwas vorspiegeln was sie nicht waren: echte münzen!
wie man an dem fantastisch erhaltenen sesterz des sept. severus aus deinem beispiel sehen kann, wäre diese münze nicht von einem echten sesterz zu unterscheiden gewesen.
die limes-falsa dagegen waren sofort als kopien zu erkennen: flau, kleiner oft noch mit guss-zapfen.
und was die mengen angeht die gefunden wurden, (woraus der herr numismatiker den schluss zieht,solche mengen könnten nur mit offizieller genhmigung umgelaufen sein):
na logisch wurden viele gefunden - weil sie jeder weggeworfen hat, wenn er die fälschung erkannt hat!
deswegen wird die fundmenge in der relation zu echten münzen sicher verfälscht sein, da echte münzen wieder aus dem verkehr gezogen und umgeschmolzen wurden, also nur die zufällig verloren gegangenen in den boden gerieten!
grüsse
frank


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 Betreff des Beitrags: Re: Subferrate
BeitragVerfasst: 26. Jul 2009, 13:08 
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Hallo Harald,

deine Argumente "pro Notgeld" halte ich, auch auf Grund der beigefügten Literaturnachweise, für absolut stichhaltig. Wie ich an anderer Stelle schon des öfteren betont habe, gibt es meiner Meinung nach, neben der sog. "Notgeldfunktion", also von staatlicher Seite tolerierter, aber nicht unbedingt immer von offiziellen Münzstätten hergestellter Münzen, auch noch die Funktion "inoffizieller Geldmengenvermehrung" durch offizielle Münzstätten, was wohl insbesondere für die "subaeraten Denare" zutrifft. Die entsprechenden Primär- und Sekundärquellen" möchte ich in diesem Zusammenhang nicht nochmals wiederholen (siehe entsprechende Threads).

Alles in allem großen Dank für deine interessanten und umfassenden Informationen zum Thema "Subferrate", Harald!

mit freundlichen Grüßen

Justus

P.S. Deine beigefügten Literaturnachweise rechtfertigen eigentlich endlich mal wieder einen etwas längeren Besuch der Bibliothek in der historischen Fakultät. Mal sehen, ob ich das schaffe? :roll:

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 Betreff des Beitrags: Re: Subferrate
BeitragVerfasst: 26. Jul 2009, 13:18 
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beachcomber hat geschrieben:
echte münzen!
wie man an dem fantastisch erhaltenen sesterz des sept. severus aus deinem beispiel sehen kann, wäre diese münze nicht von einem echten sesterz zu unterscheiden gewesen.



Hallo Frank,
auch ich muß zugeben, dass ich nicht alle zitierten Arbeiten gelesen habe.
Ich habe sie im Aufsatz von Pfisterer als Fußnote gefunden.
Ich nehme aber an, wenn sich so viele Experten von heute einig sind, werden sie schon wissen warum.
Möglicherweise kann ich nächste Woche den Dr. Pfisterer dazu genauer befragen.
Deine Aussage stimmt so nicht ganz, da es im Münzkabinett auch
verkupferte Sesterzen gibt und die waren sehr wohl für jedermann unterscheidbar.
Ich hoffe, dass ich Dir nächste Woche nach meinem Gespräch weitere Argumente bringen kann.

Gruß
Harald

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 Betreff des Beitrags: Re: Subferrate
BeitragVerfasst: 26. Jul 2009, 13:20 
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Zitat:
auch noch die Funktion "inoffizieller Geldmengenvermehrung" durch offizielle Münzstätten, was wohl insbesondere für die "subaeraten Denare" zutrifft.


:shock: :shock: :shock:

wie die smilies schon anzeigen, bin ich geschockt! :)
was bitt'schön soll denn eine 'inoffizielle geldmengenvermehrung' sein? (und dann auch noch aus offiziellen münzstätten!)
ich dachte, das hätten wir ein für allemal geklärt, dass ein staat es sich nicht leisten kann seine bürger (und vor allem soldaten!) zu betrügen.
grüsse
frank


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