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 Betreff des Beitrags: Quinar vom Typ Pollanten
BeitragVerfasst: 23. Apr 2022, 13:05 
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Guten Tag,

einen weiteren interessanten Münztyp, der dem Süddeutschen Raum zugeschrieben wird, stellen die Quinare vom Typ Pollanten dar.
Zu sehen ist auf dem Avers ein meist recht natürlich wirkender Kopf nach rechts, mit Zopf sowie Lippen, die mit zwei dünnen Strichen dargestellt sind.
Den Kopf umgibt ein Punkt-/Perlkreis. Auf der Rückseite ist ein Pferd nach links, ebenfalls eingefasst von einem Punkt-/Perlkreis zu sehen.
Der Punkt-/Perlkreis findet sich ebenfalls auf den Kleinsilbern vom Typ „Pferd mit zurückgewandtem Kopf“, welche vermehrt in Pollanten gefunden wurden.
Eine ähnliche Darstellung des Zopfes findet sich auf einigen Kleinsilbern vom Typ Pollanten.
Zudem zeigen sich stilistische Ähnlichkeiten bei der Darstellung der Lippen der Quinare vom Typ Pollanten zu den unterschiedlichen Kleinsilbern vom Typ Pollanten.
Vgl: https://www.sixbid-coin-archive.com/#/d ... =pollanten
Bis auf zwei mir bekannter Stempel weist das Revers keinerlei Beizeichen auf.
Die Darstellung des Revers weißt ebenfalls Ähnlichkeit zu den Quinaren Vgl. Flesche 407 auf, wie sie in Hessen und Rheinland-Pfalz gefunden wurden. Sowohl die Darstellung auf Avers als auch auf dem Revers ist von einem Punkt-/Perlkreis eingefasst. https://www.kuenker.de/de/auktionen/stueck/322009

Allzu viel konnte ich bisher zu diesem Münztyp nicht finden, daher möchte ich ein wenig darauf eingehen.

Anbei zwei Stücke aus unterschiedlichen Stempeln.
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Gewicht: 1,79g
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Gewicht: 1,27g (stark angegriffene Oberfläche)

Im Münzhandel werden diese Quinare oft einfach als "Nachahmung von Haeduerquinaren" bezeichnet. Diese Bezeichnung möchte ich nicht nutzen, da sie keinen konkreten Münztyp bezeichnet. Diverse Prägungen der Vindeliker haben höchstwahrscheinlich Prägungen der Haeduer als Vorbild.

M. Nick bezeichnet diese Quinare auf Tafel 5 unter Nummer 8 als Quinar Typ "Strenges Gesicht". Diese Bezeichnung kann ich aufgrund des meist grimmig wirkenden Gesichtsausdrucks durchaus nachvollziehen, jedoch sehe ich bisher keinen klaren Zusammenhang zwischen den Kleinsilbern vom Typ "Strenges Gesicht" und den Quinaren vom Typ Pollanten, welchen die Bezeichnung von Herrn Nick suggeriert.

Für die Anzahl unterschiedlicher Stempel für diesen Münztyp gibt es verhältnismäßig wenige Belege im Münzhandel oder in publizierten Münzfunden der letzten Jahrzehnte.
Was in großen, leider staatlichen Münzsammlungen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit weggesperrt ist bleibt leider unbekannt. Auch auf Nachfrage gibt es nur ruppige Antworten, die mich mit dem Gefühl zurücklassen, dass mancher Konservator einen regelrechten Hass auf private Sammler oder Interesse aus dieser Richtung hat.

Somit bleibt uns, neben der Betrachtung der wenigen publizierten Stücke, nur die Betrachtung der Referenzstücke vergangener Auktionen:

https://www.acsearch.info/search.html?id=413620
https://www.acsearch.info/search.html?id=4431482
https://www.sixbid-coin-archive.com/#/d ... /l31508523
https://www.sixbid-coin-archive.com/#/d ... vindeliker
https://www.sixbid-coin-archive.com/#/d ... erquinaren
https://www.kuenker.de/de/auktionen/stueck/321742

Die Gewichte liegen von oben nach unten bei 1,73g; 1,73g; 1,72g; 1,54g; 1,87g sowie 1,46g.
Das Stück unter dem 3. Link weist eine Kugel als Beizeichen über dem Rücken des Pferdes auf.
Wir haben es hier bereits mit mindestens vier unterschiedlichen Stempeln zu tun.

Im Fund von Pollanten ist der Münztyp mit zwei stempelgleichen Exemplaren vertreten und sowohl in "Das Archäologische Jahr in Bayern" 1982 auf Seite 81 Nr. 2 sowie 3, wie auch im Kellner 1990 auf Tafel 41 mit den Nummer 944 und 945 publiziert. Der Stempel entspricht dem 2. von mir gezeigten Stück.
Die Gewichte liegen bei 1,961g sowie 1,947g!
Eine hochinteressante Variante dieses Typs ist im Kellner unter der Nummer 2070 abgebildet. Für alle die keinen Kellner besitzen anbei ein Foto der Abbildung:
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2070.jpg
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Das Gewicht dieses Stücks liegt bei 1,806g. Das Stück wurde 1880 bei München-Zamdorf gefunden.
Dieses Stück weist sowohl auf dem Avers als auch auf dem Revers diverse Verzierungen sowie Beizeichen auf. Die Darstellung der vorder- sowie Hinterläufe des Pferdes wirken nicht sehr natürlich. Bei der Mähne scheint es so als wären Punkte hinzugefügt worden. Auf dem Avers ist noch der Rest des Charakteristischen Punkt-/Perlkreises zu sehen. Ich vermute, dass hier ein Stempelumschnitt stattgefunden hat.

Zwei weitere Referenzstücke finden sich in der Lagerliste 3 von Herrn Diller unter den Nummern 96 und 97. Die Gewichte sind hier mit 1,94g sowie 1,62g angegeben. Der Kopf auf dem Avers der Nummer 96 zeigt nach links!

Betrachten wir das Durchschnittsgewicht der 12 in diesem Post angesprochenen Quinare vom Typ Pollanten, welches bei 1,722g mit einer Range von 1,27g-1,961g liegt, können wir davon ausgehen, dass es sich um vergleichsweise frühe süddeutsche Quinare handelt. Das Durchschnittsgewicht entspricht in etwa dem der Prototypen der Büschelquinare. Es ist daher denkbar, dass die Quinare vom Typ Pollanten ebenso wie die Quinare vom Typ Schönaich von den häufiger geprägten Büschelquinaren verdrängt wurden. Ebenso ist denkbar, dass einige Stücke der verdrängten Typen zu einem späteren Zeitpunkt ihres Umlaufs eingeschmolzen wurden um die aktuell gebräuchlichen Büschelquinare oder andere Prägungen herzustellen. Das würde auch erklären, weshalb es trotz der Vielzahl an Stempeln vergleichsweise wenige Funde gibt.

Wie immer gilt, wenn ihr mehr zu diesem Münztyp, dem Zusammenhang zu anderen Münzen oder der Verbreitung wisst oder Aufsätze sowie Studien kennt, die mir nicht bekannt sind, postet alles gerne!
Aufgrund des Bilderlimits (5 Bilder) folgt die Nummer 96 aus der LL3 von Herrn Diller diesem Beitrag.

Ich wünsche allen ein Schönes Wochenende,

Ceallach


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 Betreff des Beitrags: Re: Quinar vom Typ Pollanten
BeitragVerfasst: 23. Apr 2022, 13:10 
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Hallo,

anbei gibt es noch das Foto des Quinars vom Typ Pollanten aus der Lagerliste 3 von Herrn Diller, Nr. 96 mit Kopf nach links.
Leider ist das stück nicht sonderlich gut erhalten und die Abbildung in der Lagerliste weist nicht die höchste Auflösung auf. Ich denke man kann sie trotzdem ganz gut erkennen.

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Schönes Wochenende,

Ceallach


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 Betreff des Beitrags: Re: Quinar vom Typ Pollanten
BeitragVerfasst: 23. Apr 2022, 21:20 
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Guten Abend,

in meinem ersten Post habe ich vermutet, dass die Quinare vom Typ Pollanten ebenso wie die Quinare vom Typ Schönaich durch die späteren Büschelquinare verdrängt worden sein könnten.
In Bezug auf die Quinare vom Typ Schönaich bzw. auf deren Datierung scheint noch keine Einigkeit zu Herrschen.

Herr Dr. Ziegaus schrieb in seinem Aufsatz "Gewichtsreduzierte Kreuzquinare aus der spätkeltischen Siedlung von Karlstein bei Bad Reichenhall (Oberbayern)" aus „Bayerische Vorgeschichtsblätter“ 86 (2021), dass die Quinare vom Typ Schönaich seit dem späten 2. Jhd. v. Chr. ausgegeben wurden und diese durch die Büschelquinare verdrängt wurden.

Anbei ein Auszug aus dem Aufsatz von Herrn Dr. Ziegaus: Die Schönaicher Quinare wurden seit dem späten 2. Jahrhundert v. Chr. ausgegeben und gehören zusammen mit den Büschelquinaren und dem Manchinger Kleinsilber zu den typischen Vertretern der Stufe Latène D1a. Sie scheinen allerdings im Laufe der Zeit von den massenhaft ausgegebenen Büschelquinaren zunehmend verdrängt worden zu sein, da die Büschel sowohl in Münzdepots als auch im Siedlungsmaterial des 1. Jahrhunderts v. Chr. bei weitem überwiegen.

Herr Schäfer vermutet in seinem Aufsatz "Zur Chronologie und Chorologie Süddeutscher Latènemünzen" aus Jahresber. Hist. Ver. Straubing u. Umgebung, Sonderb. 3 (Straubing 2007), dass die Quinare vom Typ Schönaich zu den späteren Prägungen gehören und sich parallel zu den Büschelquinaren im Umlauf befanden.

Anbei ein Auszug aus dem Aufsatz von Herrn Schäfer: …Zusammen mit den Büschelquinaren dominiert er den Silberumlauf der ausgehenden Latènezeit im gesamten süddeutschen Raum. Weiterhin wurde jedoch an verschiedenen Stellen geprägt, wie Funde von Münzstempeln oder Stempelpatrizen an einer ganzen Reihe spätlatènezeitlicher Fundorte zwischen Oberfranken und dem Alpenvorland aufzeigen. Dem spätlatènezeitlichen Silberumlauf zuzurechnen sind ferner die Quinare des Typs Schönaich, deren zeitliche Übereinstimmung mit dem Igeltyp am eindrücklichsten durch den Stempeldepotfund von Harburg-Kleinsorheim im Nördlinger Ries bezeugt wird, in dem Münzstempel für beide Typen miteinander vergesellschaftet sind. Bezeichnenderweise fehlen Schönaicher Typen in Siedlungen wie Pollanten und Egglfing mit einem weitgehend mittellatènezeitlichen (Lt C1b-Lt C2) bzw. früh-spätlatènezeitlichen (Lt D1a) Besiedlungs- bzw. Produktionsschwerpunkt. Dies ist ein Indiz dafür, dass Schönaicher Typen innerhalb der Spätlatènezeit erst später, d.h. ab Lt D1b auftreten, wie dies schon lange in der numismatischen Literatur diskutiert wird.

Auf den Aufsatz von Herrn Dr. Ziegaus bin ich bereits kurz in meinem Post über die Leierquinare eingegangen. Der Aufsatz von Herrn Schäfer ist ebenfalls sehr lesenswert!
Diesen findet ihr unter: https://www.academia.edu/6200427/ZUR_CH ... %C3%9CNZEN

Schönen Abend,

Ceallach


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