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Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschung ?
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Autor:  DOCISAM [ 10. Nov 2013, 21:18 ]
Betreff des Beitrags:  Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschung ?

Guten Abend,

beim Herumgooglen, ob inzwischen die Herkunft des "Schatzfundes aus dem Hofoldinger Forst" geklärt sei (Fentbachschanze ???), stoße ich auf die Nachricht, dass er komplett gefälscht sei:
Zitat:
Diese Fragen werden die Chemiker natürlich nicht alleine lösen. „Wir arbeiten mit Historikern, Kunstwissenschaftlern, Denkmalpflegern und Restauratoren zusammen“, erklärt Carla Vogt. So kam es auch, dass ein Experte aus Österreich sich vor fünf Jahren an die Hannoveraner wandte, weil er die Echtheit des Goldschatzes aus dem Hofoldinger Forst anzweifelte, der 1996 entdeckt worden war. Lange galten die 178 Münzen, die in einem Waldstück bei München gehoben wurden, als bedeutender Fund aus der Keltenzeit, sie wurden in Ausstellungen präsentiert und teilweise auch bei Auktionen versteigert. Doch der Österreicher blieb skeptisch - und die Uni-Chemiker konnten ihm schließlich recht geben. Ihre Analysen bewiesen, dass der sagenumwobene Fund eine komplette Fälschung war. Über Konsequenzen für die Beteiligten, die zuvor die vermeintliche Echtheit des Schatzes attestiert hatten, müssen Lehmann und seine Kollegen schweigen.
http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Nacht-der-Wissenschaft-an-der-Universitaet-Hannover

Von Juliane Kaune
Artikel veröffentlicht: Freitag, 09.11.2012 07:19 Uhr
Artikel aktualisiert: Sonntag, 11.11.2012 06:15 Uhr

http://www.ipi.uni-hannover.de/fileadmin/institut/media/1109_HAZ_HP_15.pdf

Das wäre ja ein dicker Hund!!! Die Nachricht ist gut ein Jahr alt. Ist sie seidem irgendwie bestätigt worden? Erklärt dies, dass jüngst Münzen, die gut und gerne aus dem Fund stammen könnten, von der Auktion zurückgezogen wurden?

https://www.gmcoinart.de/auction/VINDELIKER_Typ%20Janus.aspx?rownum=12&backid=ib635197149962702652&lager=00105&los=655&ActiveID=1062&lang=de

Falls die Münzen tatsächlich nicht echt sind, täte es mir für alle leid, die schon welche haben.

Viele Grüße,
Docisam

Autor:  Chippi [ 11. Nov 2013, 21:21 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschu

Hallo Docisam,

zu den besagten Methoden des Herrn L. siehe im Numismatikforum den Mittelalterthread: http://www.numismatikforum.de/viewtopic.php?f=7&t=47825. Man darf sich die Frage stellen, warum solch eine wissenschaftliche "Sensation" der großen Öffentlichkeit verheimlicht wird?

Gruß Chippi

Autor:  DOCISAM [ 11. Nov 2013, 23:11 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschu

Hallo Chippi,

danach war es wohl falscher Alarm. Sonst wäre der Wirbel nicht auf Hannover und einen einzigen Zeitschriftenartikel beschränkt geblieben. Das hatte mich auch gewundert. Mich freut, dass man den Münzschatz nicht aus den Geschichtsbüchern streichen muss. Und dass die Münzen weiterhin interessant bleiben. Vielen Dank für den Hinweis auf den Thread in Numismatikforum.

Viele Grüße,
Docisam

Autor:  Afrasi [ 12. Nov 2013, 00:34 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschu

Falls sich die Expertisen des Herrn L. als zweifelhaft erweisen sollten, wie etliche meinen, was ich persönlich aber nicht beurteilen kann, käme dies allerdings einem numismatischen Super-GAU gleich. Nicht nur, dass er schon beim British Museum "Amtshilfe leistete", er beschert seinem Institut auch nennenswerte Einnahmen, die der Universität Hannover zu Gute kommen. 8-) Zu den Kunden zählen nämlich auch namhafte Auktionshäuser, von denen mindestens eines in der absoluten "Champions League" spielt. :mrgreen:

Autor:  Chippi [ 12. Nov 2013, 08:13 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschu

Er hat 2 Münzen, die ursprünglich von Robert Tye stammen, indiacoins ist nur ein wirklich kleiner Zwischenhändler, als Fälschung deklariert und eine sogar mit einem "F" gepunzt. Die andere Münze ist zerbrochen. Es hilft den Thread zu lesen, den ich oben gepostet habe.

Gruß Chippi

Autor:  DOCISAM [ 12. Nov 2013, 10:57 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschu

Vielleicht sind die Messungen ja alle ganz ordentlich. Nur kann man die Ergebnisse vermutlich in alle möglichen Richtungen interpretieren. Bloss sollte man dann dementsprechend seine Meinung vorsichtig äußern und sich nicht benehmen wie die Axt im Walde.
Im Fall des keltischen Münzschatzes wäre es schön gewesen, wenn der Experte dazu gesagt hätte warum die Münzen denn falsch seien sollen (so etwas wie "hoher Anteil von Iridium, wie man ihn nur in Gold aus den Anden findet"). Erst einmal ist der Fälschungsvorwurf beim Goldschatz nicht belegt, nicht bewiesen und wurde anscheinend abgesehen von einem Zeitungsrtikel aus Hannover von niemanden aufgegriffen und bestätigt.

Viele Grüße,
Docisam

Autor:  harald [ 12. Nov 2013, 15:37 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschu

Dass jemand die Authentizität dieses Schatzfundes anzweifelt, ist ein alter Hut.

Schon im Jahr 2001 erschien ein Aufsatz im Katalog zur Sonderausstellung der Archäologischen Staatssammlung München. Meines Wissens war auch ein Teil des dabei Schatzfundes ausgestellt.
Im Ausstellungskatalog Gold Magie- Mythos- Macht verfasste Ludwig Wamser einen Artikel mit der Überschrift:
Ein Schatzfund keltischer Goldmünzen aus dem Hofoldinger Forst.

Dort wird der Schatzfund auf 22 Seiten analysiert und besonders auf die Frage der Authentizität mit zahlreichen pros, aber auch einigen wenigen kontras ausführlich eingegangen.
Zitat:
"Angesichts der unklaren Herkunft und der herausgestellten, von der bisherigen "Norm" der süddeutschen Vierundzwanzigstelstatere mehr oder minder abweichenden Besonderheiten hinsichtlich Schüsselform, unregelmäßigem Umriss, stilistischer Ausführung, Durchschnittsgewicht, Oberflächenfärbung und Materialunterschieden erscheinen daher gewisse Zweifel an der Richtigkeit der bisherigen Zuschreibung nicht unberechtigt. Wie sehr jedoch äußerste Vorsicht geboten ist, die vorbezeichneten Besonderheiten in Bausch und Bogen zu verurteilen, um den gesamten Münzkomplex schlichtweg als Fälschung zu erklären, gebieten nicht nur das eingangs genannte- von H. J. Hildebrandt genannte Halbstück der hier zur Diskussion stehenden Münzsorten................."
Es folgen weitere umfangreich ausgeführte Argumente für deren Echtheit.

Um die Wogen unter den Sammlern zu glätten, wäre die Zeit reif, dass Lanz mal auf diese alten und nun wieder neu aufgewärmten Anschuldigungen reagieren würde.


Grüße
Harald

Autor:  bruzzel [ 15. Nov 2013, 22:19 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschu

Das IFZAA in Basel hat zumindest eine Münze aus dem Hofoldinger Schatzfund analysiert.
Ergebnis: Die Metall Analyse weist auf eine moderne Legierung hin.
Und damit sind es zumindest zwei Institutionen, die sagen die Münzen sind falsch.

bruzzel

Dateianhänge:
IfZAA Hofolding.jpg
IfZAA Hofolding.jpg [ 123.93 KiB | 23625-mal betrachtet ]

Autor:  Zwerg [ 2. Apr 2021, 15:22 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschu

Frage an die Keltenexperten:
Gibt es zu dieseem Fund mittlerweile neue belastbare Ergebnisse?

Im Hintergrund zu einer Diskussion im Nachbarforum
https://www.numismatikforum.de/viewtopi ... 68&t=63155

und nicht wenigen Ebayverkäufen von Lanz

Grüße
Klaus

Mittlerweile habe ich diese Thread hier gefunden
viewtopic.php?f=44&t=2093&p=62251&hilit=1%2F24+stater#p62251

Autor:  harald [ 6. Apr 2021, 09:31 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schatzfund aus dem Hofoldinger Forst - Komplette Fälschu

Hallo Klaus

Offiziell gibt es da nichts neues, daneben kursieren zahlreiche Verschwörungstheorien aus gut Informierten Kreisen, auf die ich aber aus rechtlichen Gründen nicht näher eingehen möchte.

Mittlerweile gibt es wohl unter allen mir bekannten Experten für keltische Numismatik keinen Zweifel mehr daran, dass es sich dabei um Imitationen handelt.

Wäre interessant, ob die jemals zurückgenommen werden, aber die Chance dafür durfte meiner Einschätzung nach nicht allzu groß sein.

Wenn ich meine beiden Exemplare neben das Original lege ist auch für mich der stilistische Unterschied der Darstellungen mehr als eindeutig.
Damit ist für mich auch jeder Zweifel an ihrer Authentizität beseitigt.

Viele Grüße
Harald

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