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 Betreff des Beitrags: Beginn der Münzstätte Hall
BeitragVerfasst: 21. Mai 2009, 08:58 
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Münzstätte HALL

Tirol besaß seit dem 13. Jahrhundert eine eigene Münzstätte. Diese befand sich in Meran. Die Grafen von Görz-Tirol bzw. Tirol-Görz prägten dort zunächst, indem sie das Lienzer Münzrecht auch auf Meran erstreckten. Erst im Jahre 1274 bekam Tirol endgültig sein eigenes Münzrecht.

Im Jahr 1477 erfolgte schließlich die Gründung der Münzstätte in Hall, die zunächst als zweite Prägestätte neben Meran bestehen sollte. Schließlich entschied man sich jedoch zur Schließung der Meraner Münzstätte. Seit 1477 war Hall die einzige Prägestätte in Tirol.

Für die Verlegung der Münzprägung nach Hall gab es mehrere wirtschaftliche und politische Gründe.
Von Hall wurden grosse Mengen des hier gewonnenen Salzes exportiert, weshalb viele Gold- und Silbermünzen nach Hall flossen, wo sie eingeschmolzen wurden und als Rohmaterial für die Prägung dienten. Auch hatte man um die Mitte des 15. Jahrhunderts die ertragreichen Silberadern in Schwaz entdeckt. In beiden Fällen bedeutete der Transport des Silbers nach Meran eine umständliche und manchmal gefahrvolle Prozedur, der man durch die Errichtung einer Prägestätte in Hall entgehen konnte.

Die politischen Gründe waren ebenso vielschichtig. Die Ausbreitung des Osmanenreiches nach Westen hatte allmählich auch zu einer Bedrohung Tirols geführt, zumal türkische Heerscharen schon das Drautal aufwärts gezogen waren und ein weiteres Vordringen durch das Pustertal in den südlichen Landesteil Tirols zu befürchten war.
Aber auch die westlichen Nachbarn, die Eidgenossen, deren Einfall durch das Vinschgau im Kriegsfall jederzeit erfolgen und den Verlust Merans bedeuten konnte, waren nicht zu unterschätzen

Und schließlich zeigte sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf Grund der innenpolitischen Situation ein allgemeiner
Trend der Schwerpunktsverlagerung in den Norden des Landes. Schon um 1420 war Innsbruck zur neuen Haupt¬- und Residenzstadt des Landes geworden. Es entwickelte sich zur Residenz¬ und Verwaltungsstadt, während Hall durch seine Handelsmärkte, die Innschifffahrt und die Saline zum wirtschaftlichen Zentrum des Nordens geworden war. Der landesfürstliche Ansitz Sparberegg, der an der Stelle des späteren Damenstiftes stand,sollte für rund 90 Jahre Sitz der Münzstätte sein. Hall war Schwaz als Standort der Prägeanstalt deswegen vorgezogen worden,
weil Schwaz damals noch keine befestigte Stadt war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beginn der Münzstätte Hall
BeitragVerfasst: 21. Mai 2009, 08:59 
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Prägung in Hall

Schon in der Endphase der Meraner Münzstätte und in den ersten Jahren der Haller Münzstätte hatte man mit der Goldprägung experimentiert. Schon bald hatte man jedoch erkannt, dass eine Goldprägung angesichts der fehlenden Goldvorkommen auf Dauer unrentabel war.Die Goldarmut einerseits und der Silberreichtum andererseits führten das Tiroler Münzwesen zwangsläufig in eine andere Richtung. Der Schwerpunkt musste auf der Prägung von Silbergeld liegen. Bis etwa 1480 prägte man in Hall Vierer und Kreuzer, daneben die unrentablen Goldgulden, die damals mit etwa 60 Kreuzern gleichzusetzen waren. Zwischen den kleinen Silbernominalen und dem Goldgulden klaffte eine große Lücke, die durch kein Nominale abgedeckt war.

Was lag also näher, als diese Lücke durch neue größere Silbermünzen aufzufüllen, zumal auch noch ein technisches Problem diesen Schritt nahe legte: Hätte man die großen Mengen des neu gefundenen Silbers lediglich zu Vierern oder Kreuzern verprägt, so wäre ein enormer Personalaufwand notwendig gewesen. Außerdem wären Zahlungen größerer Summen mit Münzen so kleiner Stückelung eher umständlich gewesen.

Im Jahr 1482 begann eine großangelegte Münzreform, die zwei wichtige Voraussetzungen hatte: 1482 war der alte
konservative Münzmeister Hermann Grünhofer durch den fortschrittlichen Münzmeister Bernhard Beheim d. Ä. abgelöst worden. Und dann hatte Tirol mit Anton vom Ross einen erstrangigen Finanzfachmann, der - aus Oberitalien stammend - das dortige wesentlich besser entwickelte Münzwesen bestens kannte.

Der erste Schritt der Münzreform war die Prägung einer Münze im Wert von 12 Kreuzern, was der bisherigen Rechengröße "Pfund Berner" (=240 Berner) entsprach. Abgesehen von der ersten Serie der Pfunder, die noch den Erzherzogshut auf der Vorderseite zeigen und in ihrem äußeren Erscheinungsbild eigentlich nur vergrößerte Kreuzer sind, zeigen alle weiteren Pfunder das Porträt der Erzherzogs, wie dies damals bei oberitalienischen Münzen, etwa der Lira Tron von Venedig oder dem Mailänder Testone üblich war.

Gleichzeitig mit den Pfundern gab man in Hall auch ein Halbstück des Pfundners im Wert von 6 Kreuzern (120 Berner) aus.Diese Sechser entwickelten sich schlagartig zur beliebtesten Silbermünze für den Handel. Auch bei diesem Sechser sind stilistische Einflüsse oberitalienischer Münzen nicht zu verleugnen. Er zeigt auf der Vorderseite den Landesfürsten , nur die Rückseite erinnert etwas an die Goldgulden. Die Beliebtheit dieses Nominales brachte es mit sich, dass dieser Münztyp in Tirol mit Unterbrechungen bis ins beginnende 17. Jahrhundert geprägt wurde.

Zwei Jahre nach dem Beginn der Sechser- und Pfundnerprägung erfolgte die Ausgabe einer Münze im Werte eines halben Rechenguldens, also von 30 Kreuzern (600 Berner). Auch bei der Schaffung dieser neuen Münze bediente man sich oberitalienischer Hilfe.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beginn der Münzstätte Hall
BeitragVerfasst: 21. Mai 2009, 09:00 
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Der erste TALER

Die letzte Stufe der Tiroler Münzreform kündigt sich schon in den Versuchen an, mit den Halbguldinerstempeln Dickstücke im doppelten Gewicht, irre Wert eines Rechenguldens zu 60 Kreuzer (1.200 Berner) zu prägen.
Diese Versuche scheiterten aber am ungünstigen Verhältnis Durchmesser zu Dicke des Schrötlings. Trotzdem ist zunächst in der ältesten Literatur diese Halbguldiner des Jahres 1484 als ältester Taler der Welt bezeichnet worden.
Heute ist sich die moderne Wissenschaft einig, dass nicht die Dickstücke des Halbguldiners von 1484, sondern der schliesslich 1486 geprägte Guldiner als der erste Taler der Welt zu gelten hat.

Mit dieser Münze im Wert von 60 Kreuzern hatte man nun ein Äquivalent zum Goldgulden. Und um zu dokumentieren, dass diese neue Münze, die "Guldiner" oder nach ihrem Gewicht "Unzialis" genannt wurde, die bisherigen Goldgulden ersetzen sollte, wählte man auf der Vorderseite auch dieselbe äußere Gestaltung.

Tirol und seine Münzstätte Hall dürfen für sich in Anspruch nehmen, mit der Münzreform der Jahre 1482-1486 ein
Währungssystem geschaffen zu haben, welches letztlich bis zum 19. Jahrhundert bestimmend war. Unmittelbar nach der Reform wurde, wie bereits erwähnt, von anderen europäischen Münzstätten in erster Linie der Sechser nachgeahmt. Doch bald prägten sie auch die Guldiner nach, so z.B. 1488 Lothringen, 1493 Bern, 1498 Sitten, 1499 Ungarn, 1500 Solothurn, 1502 Hessen, 1503 Carmagnola im Piemont, 1504 Salzburg, 1509 Württemberg, 1511 Bremen, 1512 Zürich und 1518 Luzern. Zum endgültigen Durchbruch verhalfen der Großsilbermünze die Münzstätten von Sachsen seit etwa 1500 und von Böhmen ab 1519, sowie nach der Entdeckung Amerikas auch Spanien. Im Laufe der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vollzogen dann allmählich alle europäischen Länder diese Entwicklung nach.

Warum diese Großsilbermünze in der Folgezeit als 'Taler' bezeichnet wurde, hatte mehrere Gründe.
Im Jahre 1490 übernahm Maximilian I. anstelle von Erzherzog Sigmund die Regierung. Die chaotische Wirtschaftspolitik dieses Kaisers hatte zur Folge, dass die Silberausbeute der Tiroler Bergwerke fast zur Gänze an süddeutsche Handelshäuser zur Finanzierung der Reichspolitik verpfändet werden musste. Zwar wurden für den Herrscher weiterhin wunderschöne Guldiner und Schaumünzen geprägt, die Massenprägung von Münzen als Zahlungsmittel musste aber aus Silbermangel eingestellt werden. Gleichzeitig eröffneten aber die Grafen von Schlick in Böhmen die Münzstätte Joachimstal. Da die Schlick’schen Silbergruben die damals höchste Ausbeute Europas verzeichneten, konnte die Münzstätte Joachimstal über Jahrzehnte eine umfangreiche Talerprägung aufrechterhalten.

Die dort geprägten Guldiner waren die am weitesten in Europa verbreiteten Großsilbermünzen, was dan schließlich zum Wandel der Bezeichnung aller europäischer Großsilbermünzen beitrug. Sie wurden nämlich zunächst „Joachimstaler“ und schließlich verkürzt nur mehr „Taler“ genannt. Um 1540 hatte sich diese Bezeichnung schon allgemein durchgesetzt und lebt heute noch im Wort „Dollar“ weiter. Längst hatte man vergessen, dass der Taler in der Münzstätte Hall in Tirol erfunden worden war. Denn für alle Guldiner oder Taler dieser Zeit galt, dass sie nach dem Tiroler Vorbild ein Rauhgewicht von etwa 30 g, ein Feingewicht von etwa 27 bis 29 g und einen Feingehalt von etwa 930/1000 aufwiesen. Erzherzog Sigmund, unter dessen Regierung seit dem Beginn der Münzreform 1482 bis zu seiner Abdankung 1490 rund 32 Tonnen Silber zu Sechsern, Pfundnern, Halbguldinern und Guldinern vermünzt worden war, gebührt das Verdienst, als erster Herrscher in Europa den Wandel der Wirtschafts- und Finanzstrukturen an der Schwelle zur Neuzeit erkannt und ihm mit der Münzreform entsprochen zu haben.
Nicht zuletzt deshalb erhielt er schon relativ bald nach seinem Tode den Beinamen "der Münzreiche".

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 Betreff des Beitrags: Re: Beginn der Münzstätte Hall
BeitragVerfasst: 21. Mai 2009, 09:00 
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Prägetechnik

Seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts versuchte man die veraltete händische Hammerprägung durch eine maschinelle zu ersetzen. Der Grund dafür lag sicher im riesigen Angebot an Silber im Gefolge der neu entdeckten Silbervorkommen in Europa und in Übersee. Als der Bedarf an neuen Talern durch die händische Prägung nur mehr unter größten Anstrengungen gedeckt werden konnte und gleichzeitig die Prägekosten immer stärker anstiegen, wollte man die Prägung durch den Einsatz von Maschinen rationalisieren und verbilligen. Erste Versuche sind interessanterweise nicht in Hall, sondern in Trient unter Bernhard von Cles nachweisbar. Der Augsburger Erfinder Peter Luna sollte Prägemaschinen ähnlich einem Streckwerk liefern, das Projekt kam jedoch nie zustande.

Den ersten Anlauf zum Einsatz von Münzprägemaschinen in Hall kann man im Jahre 1550/51 feststellen. Zu dieser Zeit hatten spanische Erfinder anlässlich des Reichstages Ferdinand ihre Prägemaschinen angeboten. Die besten Fachleute der Haller Münzstätte wurden nach Augsburg zur Begutachtung beordert, doch ihr Urteil muss vernichtend gewesen sein, denn in der Folgezeit hört man kein Wort mehr von der spanischen Erfindung.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist eine Affäre, die sich zur gleichen Zeit in Augsburg abspielte.
Der Augsburger Erfinder Max Schwob hatte eine Wassergetriebene Prägemaschine entwickelt, die auf Vermittlung des französischen Gesandten nach Paris gelangte und dort in der „Monnaie de Moulin“ aufgestellt wurde.
Ein französischer Münzarbeiter kopierte das System, verkaufte es der englischen Krone und stellte seine Maschine in London auf. Da er sie aber nicht in Gang bringen konnte, wurde er wegen Betruges angeklagt, verurtelt und gehängt.

Ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so hartes Schicksal ereilte den Erfinder Kaspar Seller, der 1558 seine Prägemachine in Wien Ferdinand vorführen wollte. Schließlich ging er aber nach London, unterbreitete seine Erfindung, installierte seine Maschinen und hatte wie der französische Münzarbeiter nur Rückschläge. Aus Verzweiflung stürzte er sich in selbstmörderischer Absicht in die Themse, wurde aber gerettet um den Rest seines Lebens im Tower in London zu verbringen.

Der vierte Erfinder war schließlich Jacob Stampfer, der seit 1561 Münzmeister in Zürich war und dort seine Maschinen mit großem Erfolg eingesetzt hatte. 1563 wurde eine solche nach Hall gebracht, wo sie die verantwortlichen Beamten aber keineswegs zu überzeugen vermochte. Sie schien ihnen zu reparaturanfällig. Stampfer zog sich daraufhin zurück und konnte seine Maschinen Egnolf von Rappoltstein, einem elsässischen Bergwerksunternehmer, verkaufen.

Der nächste Erfinder, der mit Ferdinand Kontakt aufnahm, war Rudolf von Rohrdorf, der aus dem Bodenseeraum stammte. Ferdinand ließ ihm einen Vertrag unterbreiten, wonach er bei geglückter Einführung der maschinellen Prägung in Hall eine hohe Belohnung und ein Privileg zum alleinigen Vertrieb solchen Maschinen erhalten hätte sollen.
1564 traf auch tatsächlich Rohrdorfs Maschine in Tirol ein und wurde in der Hofmühle in Innsbruck aufgestellt.
Schließlich musste man aber den Standort wegen mangelnder Wasserkraft wechseln. In Mühlau bei Innsbruck
hatte man dafür die besten Voraussetzungen. Da Rohrdorfs Mitarbeiter aber auch dort die Maschine nicht in Gang brachten, sollte Rohrdorf persönlich nach Tirol kommen, was er aber ablehnte. Er war nämlich inzwischen mit dem französischen König wegen neuer, von ihm erfundener Geschütze in Verhandlungen getreten. Rohrdorf starb 1570 in Lyon.

In dieser Situation meldete sich 1564 ein weiterer Züricher Erfinder namens Hans Vogler, der einst Mitarbeiter von Jakob Stampfer gewesen war. Unter seiner Leitung wurde in monatelanger Arbeit die Mühlauer Münzstätte soweit funktionsfähig gemacht, dass am 31. Mai 1566 in Anwesenheit hoher Regierungsbeamter die erste Probeprägung erfolgen konnte.

Der eigentliche Initiator einer maschinellen Prägung, Kaiser Ferdinand l., war zu diesem Zeitpunkt bereits fast zwei Jahre tot und Tirol war an seinen Sohn Erzherzog Ferdinand II. übergegangen. Dieser brachte der Erfindung genauso viel Interesse entgegen wie sein Vater, Hans Vogler versäumte natürlich nicht, seinem Auftraggeber in einem überschwänglichen Brief von der geglückten Probeprägung zu berichten und einige neue Taler als "Glückspfennige" - wie er betonte - mitzuschicken. Die Beamten durchschauten Voglers Absichten und berichteten fast gleichzeitig, dass die Probe zwar gut verlaufen, eine serienmäßige Produktion aber nicht zu erwarten sei, und warnten Ferdinand davor, „ dass er Euer Fürstlichen Durchlaucht für ihn und seine Mitarbeiter zum besten rühmen oder künftig noch tun werde“. Auch wenn die Skepsis der Beamten damals noch berechtigt war, so war doch in naher Zukunft mit brauchbaren Ergebnissen zu rechnen. 1567 erhielt Mühlau eine eigene Münzordnung und konnte in den folgenden Jahren eine umfangreiche Prägung aufziehen.

Die neue Prägemethode, auch Walzenprägung genannt, revolutionierte in den kommenden Jahrzehnten nicht nur das Tiroler sondern auch das europäische Münzwesen. War man in Hall bisher in der Lage jährlich etwa 600.000 Münzen zu prägen, so konnte man den Ausstoß nun auf ein vielfaches erhöhen. Dies führte nach wenigen Jahren auch dazu, dass die Hammerprägung völlig aufgegeben und westlich der Burg Hasegg in Hall eine neue Prägestätte errichtet wurde.

Die neue Prägetechnik beruhte darauf, dass durch ein Wasserrad ein System von hölzernen Zahnrädern bewegt wurde, die zwei stählerne Walzen, auf denen die Münzbilder eingraviert waren, zum Rotieren brachten. Auf jeder Walze konnten entweder vier breite Doppeltaler, fünf Taler, sechs Halbtaler oder 7 Vierteltaler eingraviert werden. Zwischen den Stempeln befanden sich Vertiefungen, die das Durchrutschen des Zains, wie der ungeprägte Silberstreifen genannt wurde, verhindern sollten. Mit einem guten Walzenpaar konnte man etwa 50.000 Mark (= ca. 14 t), in Extremfällen bis zu 100.000 Mark (= ca. 28 t) prägen.

Erstmals war also mit den Walzenprägemaschinen die Wasserkraft für die Münzprägung nutzbar gemacht worden.
Aber nicht nur die Prägemaschinen waren wasserbetrieben, auch Nebenaggregate wie Drehbank, Blasbälge für Schmelzöfen, Schmiedehämmer usw. wurden bei dieser Gelegenheit auf Wasserantrieb umgestellt. Das Ergebnis dieser jahrelangen Entwicklungsarbeit war eine damals fast unvorstellbare Produktionssteigerung. Weniger Personal und gleichzeitig höhere Produktivität senkten die Prägekosten beträchtlich. Ein typisch österreichisches Erfinderschicksal ereilte Hans Vogler, dem der endgültige Durchbruch zu verdanken war. Er erhielt zwar das seinerzeit Rohrdorf versprochene Privileg, doch konnte er daraus keinen bleibenden Nutzen ziehen. 1568 verließ Vogler Tirol, weitere Stationen seines Wirkens waren Salzburg, Wien, Elsaß, Konstanz, Kremnitz und schließlich Warschau, wo er im Jahre 1591 völlig verarmt und verbittert starb.

Das Prinzip der Walzenprägung wurde zwar in Hall als großes Geheimnis gehütet, doch konnte es nicht lange verborgen bleiben.

Den technischen Vorsprung der Haller Münzstätte und die Erfahrung seiner dortigen Münzbeamten musste Erzherzog Ferdinand II. aus politischen Gründenauch mit ihm verbündeten bzw. verwandten Herrschern zur Verfügung stellen. Die Haller Münzbeamten waren deshalb in den folgenden Jahrzehnten mit der Errichtung zahlreicher europäischen Münzstätten beschäftigt. Bereits 1577 hatte Ferrara technische Unterstützung bei der Modernisierung seiner Münzstätte erhalten. 1593 war man schließlich Mantua bei der Einführung moderner Prägemethoden behilflich,
wobei man sowohl im Falle Ferraras wie auch Mantuas versuchte nicht all zu viel vom technischen Know-how zu verraten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beginn der Münzstätte Hall
BeitragVerfasst: 21. Mai 2009, 09:02 
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Ende der Haller Prägungen

Am 21. Oktober 1809 musste die Münzstätte Hall die Prägung einstellen, und im November nach der letzten, verlorenen Schlacht am Bergisel wurde diese traditionsreiche Münzstätte in ein "königlich bayrisches Gold- und Silbereinlöseamt" umgewandelt. Die Prägemaschinen wurden nach Rosenheim verfrachtet. Bestrebungen, die Münzstätte nach der Rückkehr an Österreich 1814 zu reaktivieren, blieben erfolglos. Es sollte 166 Jahre dauern, bis in der Burg Hasegg wieder Münzen geprägt werden durften.


Alle Artikel wurden uns von der Tiroler Numismatischen Gesellschaft zur Verfügung gestellt.
Schönen Dank.
www.tiroler-numismatik.at

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